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Wie ist EDIFACT aufgebaut?

UN/EDIFACT ist der internationale Standard der Vereinten Nationen für den elektronischen Austausch strukturierter Geschäftsdaten wie Bestellungen, Lieferavise und Rechnungen. Eine EDIFACT-Datei besteht aus Segmenten, die mit festen Trennzeichen aufgebaut sind, und lässt sich darum zuverlässig von Programmen lesen. Die Syntax ist in der Norm ISO 9735 festgelegt, die Inhalte der Nachrichten in Verzeichnissen der UNECE. Diese Seite zeigt den EDIFACT-Aufbau an einem kommentierten Beispiel.

Stand 18.10.2026 · fokus it solutions, Jens Musleh

Wer steht hinter EDIFACT?

Der Name steht für „Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport“. Die UNECE, die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa, beschreibt UN/EDIFACT als Satz international vereinbarter Standards, Verzeichnisse und Leitlinien für den Austausch strukturierter Daten zwischen unabhängigen IT-Systemen. Veröffentlicht werden die Regeln im UNTDID, dem „United Nations Trade Data Interchange Directory“. Fachlich betreut wird EDIFACT vom UN/CEFACT, dem Zentrum der Vereinten Nationen für Handelserleichterung und elektronische Geschäftsprozesse.

Zwei Ebenen sollten Sie auseinanderhalten:

  • Die Syntax regelt, wie eine Datei aufgebaut ist: Trennzeichen, Kopf- und Endsegmente, Zählregeln. Sie steht in ISO 9735.
  • Die Verzeichnisse regeln, welche Nachrichten es gibt, welche Segmente sie enthalten und was die Codes bedeuten. GS1 Germany nennt für UN/EDIFACT „über 200 verschiedene Nachrichtentypen“.

Was die Verzeichnisse D.96A und D.01B bedeuten

Ein EDIFACT-Verzeichnis ist ein Stand des Regelwerks. Die UNECE veröffentlicht laufend neue Stände, die ältesten im Archiv stammen aus den 1990er-Jahren. Bezeichnet werden sie mit Version und Ausgabe, zum Beispiel D.96A oder D.01B. So führt die UNECE etwa die Lieferavis-Nachricht DESADV im Verzeichnis D.01B mit „Version: D“, „Release: 01B“ und „Contr. Agency: UN“.

In jeder Nachricht finden Sie genau diese Angaben wieder, im Segment UNH. Steht dort ORDERS:D:96A:UN, handelt es sich um eine Bestellung nach dem Verzeichnis D.96A. Als Empfänger sollten Sie darauf achten, denn eine ORDERS nach D.96A und eine nach D.01B können sich in Segmenten und Codes unterscheiden. Welches Verzeichnis gilt, steht im EDI-Leitfaden Ihres Partners.

Der Aufbau einer EDIFACT-Datei

Eine EDIFACT-Übertragung ist wie ein Briefumschlag mit einem oder mehreren Briefen darin. Von außen nach innen:

Segment Name Aufgabe
UNA Service String Advice optional; legt die Trennzeichen fest, falls von der Vorgabe abgewichen wird
UNB Interchange Header Kopf der Übertragung: Zeichensatz und Syntaxversion, Absender, Empfänger, Datum, Referenz
UNG / UNE Functional Group optional; fasst Nachrichten gleichen Typs zu Gruppen
UNH Message Header Beginn einer Nachricht: laufende Nummer und Nachrichtenkennung
BGM, DTM, NAD, LIN, QTY … Nutzdaten Inhalt der Nachricht
UNS Section Control optional; trennt Kopf-, Positions- und Summenteil
UNT Message Trailer Ende der Nachricht: Zahl der Segmente inklusive UNH und UNT, gleiche Nummer wie im UNH
UNZ Interchange Trailer Ende der Übertragung: Zahl der Nachrichten, gleiche Referenz wie im UNB

Mit den Zählfeldern in UNT und UNZ gibt es eine einfache Prüfung auf Vollständigkeit. Stimmt die Zahl nicht, ist die Datei beschädigt oder abgeschnitten, und die Software des Empfängers lehnt sie ab.

Trennzeichen und Freigabezeichen

EDIFACT kommt mit wenigen Steuerzeichen aus. Die Syntax-Richtlinien der UNECE nennen für die übliche Stufe A diese Zeichen:

Zeichen Bedeutung
' (Apostroph) Segmentende
+ (Plus) trennt Segmentkennung und Datenelemente
: (Doppelpunkt) trennt Teile innerhalb eines zusammengesetzten Datenelements
? (Fragezeichen) Freigabezeichen: das folgende Zeichen gilt als normaler Text

Ein Beispiel für das Freigabezeichen: Der Firmenname „Müller + Söhne“ wird als Müller ?+ Söhne geschrieben, sonst würde das Plus als Trennzeichen gelesen.

Die UNA-Zeile ist laut UNECE immer neun Zeichen lang: „UNA“ und dann sechs Zeichen für die Steuerzeichen. Oft schicken Partner sie mit, auch wenn sie nur die üblichen Zeichen enthält. Ihre Software sollte beides verarbeiten können.

Ein kommentiertes EDIFACT-Beispiel

Die folgende Bestellung ist frei erfunden. Die GLN (Global Location Number, eine Kennung für Firmen und Standorte) beginnen mit dem Präfix 952, das GS1 für Beispiele reserviert hat. Jede Zeile ist ein Segment; der Zeilenumbruch dient nur der Lesbarkeit.

UNA:+.? '
UNB+UNOC:3+9520000000011+9520000000028+261016:1430+00001'
UNH+1+ORDERS:D:96A:UN'
BGM+220+B-4711+9'
DTM+137:20261016:102'
NAD+BY+9520000000011::9'
NAD+SU+9520000000028::9'
LIN+1++9520000000035:SRV'
QTY+21:240'
DTM+2:20261030:102'
UNS+S'
CNT+2:1'
UNT+11+1'
UNZ+1+00001'

Zeile für Zeile gelesen:

  • UNA:+.? ' legt die sechs Steuerzeichen fest, hier die üblichen, darunter Doppelpunkt, Plus, Fragezeichen und Apostroph.
  • UNB nennt Zeichensatz und Syntaxversion (UNOC:3), Absender, Empfänger, Datum und Uhrzeit (16.10.2026, 14:30) und die Übertragungsreferenz 00001. Ob hinter der Kennung noch eine Kennungsart steht, regelt der Leitfaden.
  • UNH+1+ORDERS:D:96A:UN beginnt Nachricht Nummer 1: eine Bestellung nach Verzeichnis D.96A.
  • BGM+220+B-4711+9 ist der Belegkopf. Code 220 steht für „Order“, B-4711 ist die Bestellnummer, 9 heißt „Original“.
  • DTM+137:20261016:102 ist das Belegdatum (Code 137) im Format JJJJMMTT (Code 102).
  • NAD+BY und NAD+SU nennen Käufer (Buyer) und Lieferant (Supplier) mit ihrer GLN. Die 9 verweist auf GS1 (früher EAN) als vergebende Stelle.
  • LIN+1++9520000000035:SRV ist Position 1 mit einer GTIN (Global Trade Item Number, die Artikelnummer von GS1).
  • QTY+21:240 ist die bestellte Menge (Code 21), hier 240 Stück.
  • DTM+2:20261030:102 ist der gewünschte Liefertermin (Code 2).
  • UNS+S trennt die Positionen vom Summenteil, CNT+2:1 meldet eine Position.
  • UNT+11+1 zählt elf Segmente von UNH bis UNT und wiederholt die Nachrichtennummer 1.
  • UNZ+1+00001 meldet eine Nachricht in dieser Übertragung und wiederholt die Referenz aus dem UNB.

Was die Codes (220, 137, 21 usw.) bedeuten, steht in den Codelisten des jeweiligen Verzeichnisses. Ihr Partner kann in seinem Leitfaden zusätzliche Pflichtfelder und eigene Regeln festlegen.

Branchen-Subsets EANCOM, ODETTE und EDIFICE

Ein vollständiges EDIFACT-Verzeichnis ist sehr umfangreich. Branchen haben deshalb Subsets gebildet, also verbindliche Auswahlen aus Nachrichten, Segmenten und Codes. Die UNECE definiert ein Subset als Nachricht, die direkt aus einer UN-Standardnachricht abgeleitet ist, dieselbe Funktion hat und deren Pflichtteile unverändert übernimmt.

  • EANCOM wird von GS1 gepflegt und ist laut GS1 Germany „eine Untermenge des UN/EDIFACT-Standards“. Das aktuelle Release heißt EANCOM 2002. Ursprünglich für Konsumgüter entwickelt, wird es heute auch in Gesundheitswesen, Logistik und Mode eingesetzt.
  • ODETTE steht für die europäische Automobilindustrie. Die VDA-Liste der EDI-Empfehlungen führt frühere Odette-Nachrichten, etwa „Odette EDIFACT INVOIC“, die inzwischen durch die VDA-Global-Empfehlungen ersetzt sind (siehe VDA und Global-Standards).
  • EDIFICE ist das europäische B2B-Forum der Elektronikindustrie. Dessen Implementierungsrichtlinien sind ein Subset von UN/EDIFACT auf Basis des Verzeichnisses D.97A.

Für Sie bedeutet das: „Wir arbeiten mit EDIFACT“ reicht als Angabe nicht. Entscheidend sind Subset, Verzeichnis und der Leitfaden Ihres Partners. Eine Checkliste dazu finden Sie unter EDI-Leitfaden lesen.

EDIFACT und X12 im Vergleich

X12 ist ein zweiter großer EDI-Standard. Er wird von X12 gepflegt, einer vom American National Standards Institute (ANSI) akkreditierten Organisation. Im Grundsatz funktioniert X12 gleich: Segmente, Trennzeichen, Kopf und Ende. Die Nachrichten heißen dort aber nicht ORDERS oder INVOIC, sondern tragen Nummern. Laut X12 sind das zum Beispiel 850 für die Bestellung, 856 für das Lieferavis („Ship Notice/Manifest“) und 810 für die Rechnung. Wer Kunden in Nordamerika beliefert, begegnet häufig X12; deutsche und europäische Leitfäden verlangen meist EDIFACT oder ein EDIFACT-Subset.

Welche EDIFACT-Nachrichten im Alltag vorkommen, zeigt die Übersicht EDI-Nachrichtenarten.

EDIFACT mit edi-service.eu

edi-service.eu verarbeitet EDIFACT einschließlich EANCOM; die KI liest das Verzeichnis und die Vorgaben aus dem Leitfaden Ihres Partners und erzeugt daraus das Mapping, zuerst im Testbetrieb, für eingehende Nachrichten ebenso wie für Lieferavis und Rechnung an den Partner. X12 gehört nicht zum Umfang. Den Preis finden Sie auf der Startseite.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen EDI und EDIFACT?

EDI ist das Verfahren des elektronischen Datenaustauschs, EDIFACT ist ein Format dafür. Neben EDIFACT gibt es zum Beispiel VDA-Formate, X12, XML oder CSV. Eine Einführung bietet Was ist EDI?.

Welche EDIFACT-Version brauche ich?

Die Version gibt Ihr Partner vor, nicht Sie. Sie steht im EDI-Leitfaden und in jeder Nachricht im Segment UNH, etwa ORDERS:D:96A:UN. Branchen-Subsets legen das Verzeichnis oft fest, EDIFICE etwa baut auf D.97A auf.

Kann man EDIFACT-Dateien mit einem Texteditor lesen?

Ja, EDIFACT ist reiner Text. Ohne Kenntnis der Codelisten ist der Inhalt aber schwer zu deuten, weil Bedeutungen in Codes stecken: 220 heißt Bestellung, 137 heißt Belegdatum. Fehlen Zeilenumbrüche, steht die ganze Übertragung in einer einzigen Zeile.

Ist EANCOM dasselbe wie EDIFACT?

EANCOM ist eine Teilmenge von EDIFACT, die GS1 für den Handel und weitere Branchen festgelegt hat. Jede EANCOM-Nachricht ist eine gültige EDIFACT-Nachricht, aber nicht umgekehrt. EANCOM schreibt zum Beispiel GS1-Kennungen wie GLN und GTIN vor.

Was ist eine CONTRL-Nachricht?

CONTRL ist die Syntax- und Servicebestätigung in EDIFACT. Sie meldet dem Absender, ob seine Übertragung syntaktisch korrekt angekommen ist; geregelt ist sie in ISO 9735 Teil 4. Ob CONTRL verlangt wird, steht im Leitfaden.

Wenn Sie prüfen möchten, ob Ihre EDIFACT-Vorgaben zu edi-service.eu passen, können Sie eine Anfrage stellen.

Quellen

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