Was ein Implementierungsleitfaden ist
Normen wie EDIFACT sind sehr breit angelegt. Eine Bestellung (ORDERS) kennt Hunderte möglicher Angaben, die meisten braucht kein einzelnes Unternehmen. Branchenverbände schränken die Norm deshalb in Subsets ein. EANCOM etwa ist das Subset von GS1 für den Handel; GS1 beschreibt es als Teilmenge von UN/EDIFACT, die nur die nötigen Elemente enthält.
Der Leitfaden Ihres Partners geht noch einen Schritt weiter. Er legt fest, welche Segmente er in seinem Haus tatsächlich liest, welche Codes er erwartet und wie er Fehler meldet. Zwei Händler, die beide EANCOM-Bestellungen schicken, können sich in Details deutlich unterscheiden. Darum gilt immer der Leitfaden des Partners, nicht die allgemeine Norm. Mehr zur Norm selbst steht unter EDIFACT erklärt.
Ein typischer Leitfaden enthält:
- eine Übersicht der Nachrichtenarten und des Ablaufs, oft als Grafik
- je Nachricht ein Segmentverzeichnis mit Status (Muss, Kann, Abhängig)
- je Segment die erlaubten Qualifier und Codes
- Beispielnachrichten
- Angaben zu Kennungen, Übertragungsweg, Test und Ansprechpartnern
Checkliste mit 20 Punkten für Ihren EDI-Leitfaden
Gehen Sie den Leitfaden mit dieser Liste durch und notieren Sie zu jedem Punkt die Seite, auf der die Antwort steht. Was Sie nicht finden, fragen Sie gesammelt beim Partner nach.
- Nachrichtenarten: Welche Nachrichten gehen in welche Richtung? Zum Beispiel Bestellung (ORDERS) eingehend, Lieferavis (DESADV) und Rechnung (INVOIC) ausgehend. Eine Übersicht bietet die Seite Nachrichtenarten.
- Standard und Version: EDIFACT, EANCOM, VDA, ein Global-Format nach VDA-Empfehlung oder ein eigenes XML? Bei EDIFACT auch das Verzeichnis, etwa D.96A oder D.01B.
- Subset und Leitfadenversion: Welches Subset gilt, und welche Version des Leitfadens liegt Ihnen vor? Leitfäden werden überarbeitet; arbeiten Sie mit der aktuellen Fassung.
- Syntax und Zeichensatz: Welche Syntaxkennung steht im Kopf (zum Beispiel UNOC), welche Trennzeichen, und ist ein UNA-Segment vorgesehen?
- Pflichtsegmente: Markieren Sie alle Segmente und Datenelemente mit Status Muss. Fehlt eines davon, lehnt das System des Partners die Nachricht oft ab.
- Abhängige Angaben: Manche Angaben sind nur unter Bedingungen Pflicht, etwa eine Chargennummer nur bei bestimmten Artikeln. Halten Sie die Bedingung fest.
- Qualifier und Codelisten: Welche Codes erwartet der Partner, zum Beispiel für Datumsarten, Partnerrollen oder Mengeneinheiten? Nur die im Leitfaden genannten Werte verwenden.
- Kennungen der Beteiligten: Sie und der Partner werden über Nummern identifiziert, häufig GLN, Odette-ID oder Lieferantennummer. Details unter GLN und andere Kennungen.
- Artikelnummern: Arbeitet der Partner mit GTIN, mit seiner eigenen Materialnummer oder mit Ihrer Artikelnummer? Oft werden zwei davon gleichzeitig verlangt.
- Übertragungsweg: AS2, OFTP2, SFTP oder ein Netzwerk? Siehe Übertragungswege.
- Verbindungsdaten und Zertifikate: AS2-ID, Odette-ID, Adressen, Ports, Verschlüsselung, Signatur, Austausch und Laufzeit der Zertifikate.
- Empfangsbestätigungen: Werden technische Quittungen erwartet, etwa die MDN bei AS2 oder EERP bei OFTP2?
- Syntaxprüfung (CONTRL): Verlangt der Partner eine CONTRL-Nachricht? Sie bestätigt oder verwirft eine Übertragung auf Syntaxebene. Angefordert wird sie über ein Feld im UNB-Kopf.
- Fachliche Rückmeldung (APERAK): Schickt der Partner APERAK bei Fehlern in der Verarbeitung, und müssen Sie selbst welche senden? APERAK meldet Fehler aus der Anwendung, nicht aus der Übertragung.
- Nummernkreise: Wie müssen Belegnummern, Referenzen und die Kontrollnummer im Nachrichtenkopf aufgebaut sein? Dürfen sie sich wiederholen?
- Bezüge zwischen Nachrichten: Welche Referenz verbindet Lieferavis und Rechnung mit der Bestellung, etwa Bestellnummer und Positionsnummer?
- Etiketten und SSCC: Muss jede Palette oder jedes Packstück eine SSCC tragen, und muss das Etikett zum Lieferavis passen? GS1 beschreibt die SSCC als weltweit eindeutige Nummer für logistische Einheiten.
- Stammdaten: Vorab abzustimmen sind oft Lieferorte, Abladestellen, Artikelzuordnungen und Preise.
- Testablauf und Fristen: Wie viele Testrunden, mit welchen Testdaten, über welche Testumgebung? Bis wann soll der Produktivbetrieb laufen?
- Ansprechpartner und Störungen: Wer ist fachlich und technisch zuständig, und wie wird bei Ausfällen oder fehlerhaften Nachrichten verfahren?
Ein kurzes Beispiel
So sieht der Anfang einer Bestellung im EANCOM-Format aus, die ein Händler an seinen Lieferanten schickt. Die GLN sind fiktive Beispielnummern:
UNB+UNOC:3+9520000000028:14+9520000000011:14+261016:0930+00042++++1'
UNH+1+ORDERS:D:96A:UN:EAN008'
NAD+BY+9520000000028::9'
NAD+SU+9520000000011::9'
Im UNB-Kopf stehen Absender, Empfänger, Datum, Uhrzeit und eine Kontrollnummer. Die 1 am Ende des UNB-Segments fordert
eine Empfangsbestätigung an. In den NAD-Segmenten ordnen die Qualifier BY (Käufer) und SU (Lieferant) die GLN einer
Rolle zu. Genau solche Einzelheiten regelt der Leitfaden.
Typische Stolperfallen
- Veraltete Fassung. Der Partner hat den Leitfaden überarbeitet, Sie arbeiten mit einer älteren PDF-Datei.
- Beispiel statt Regel. Beispielnachrichten zeigen einen Fall, nicht alle. Was im Beispiel fehlt, kann trotzdem Pflicht sein.
- Gemischte Nummern. Die eigene Artikelnummer landet im Feld für die Nummer des Kunden oder umgekehrt.
- Mengeneinheiten. Ihr ERP rechnet in Karton, der Partner bestellt in Stück. Ohne Umrechnung stimmen Mengen und Preise nicht.
- Quittungen vergessen. Die Übertragung läuft, aber der Partner wartet auf eine CONTRL oder APERAK und wertet das Fehlen als Fehler.
- Etikett und Lieferavis passen nicht. Die SSCC auf der Palette stimmt nicht mit der im DESADV überein, der Wareneingang stockt.
- Testdaten aus der Produktion. Echte Bestellungen im Test lösen beim Partner womöglich echte Vorgänge aus. Klären Sie, welche Umgebung und welche Kennungen für den Test gelten.
So hilft edi-service.eu beim Leitfaden
Im Onboarding von edi-service.eu laden Sie genau diesen Leitfaden hoch, dazu Anschreiben und Beispieldateien. Eine KI liest daraus Nachrichtenarten, Standard und Version, Kennungen, Übertragungsweg und Testablauf und zeigt Ihnen das Ergebnis zur Bestätigung an. Sie korrigieren nur, was nicht stimmt; offene Punkte werden als Rückfrage festgehalten statt geraten. Was der Festpreis umfasst, erklärt die Seite Häufige Fragen. Wenn Sie einen Leitfaden vorliegen haben und wissen wollen, ob er zu uns passt, können Sie eine Anfrage stellen.
Häufige Fragen
Was ist ein EDI-Leitfaden?
Ein EDI-Leitfaden ist die technische Vorgabe Ihres Partners für den elektronischen Datenaustausch. Er legt Nachrichtenarten, Format, Pflichtangaben, Codes, Kennungen und Übertragungsweg fest. Andere Namen sind Implementierungsleitfaden, Message Implementation Guide oder EDI-Spezifikation.
Woher bekomme ich den EDI-Leitfaden meines Kunden?
Fragen Sie Ihren Einkaufs- oder EDI-Ansprechpartner beim Kunden danach. Große Unternehmen stellen ihn oft in einem Lieferantenportal bereit oder schicken ihn mit der Aufforderung zur EDI-Anbindung. Bitten Sie auch um Beispieldateien und die Testkennungen.
Was ist der Unterschied zwischen CONTRL und APERAK?
CONTRL bestätigt oder verwirft eine empfangene Übertragung auf Ebene der Syntax. APERAK meldet, ob die Anwendung beim Empfänger die Nachricht verarbeiten konnte, und nennt fachliche Fehler. Welche der beiden Ihr Partner nutzt, steht im Leitfaden.
Wie lange dauert es, einen Leitfaden umzusetzen?
Das hängt von Umfang, Format und Testablauf des Partners ab. Fachartikel nennen für eine Großkunden-Anbindung im klassischen Projekt drei bis vier Monate. Den größten Teil der Zeit beansprucht oft der Testzyklus mit dem Partner. Mehr zu Aufwand und Kosten steht unter Was kostet EDI?.
Quellen
- GS1: „GS1 EANCOM“, https://www.gs1.org/standards/eancom (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „EANCOM 2002 S4, CONTRL, Introduction“, https://www.gs1.org/sites/default/files/docs/eancom/ean02s4/part2/contrl/intro.htm (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „EANCOM 2002 S4, APERAK, Introduction“, https://www.gs1.org/sites/default/files/docs/eancom/ean02s4/part2/aperak/intro.htm (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „EANCOM 2002 S4, Part I, Abschnitt 4“, https://www.gs1.org/sites/default/files/docs/eancom/ean02s4/part1/part1_04.htm (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „Serial Shipping Container Code (SSCC)“, https://www.gs1.org/standards/id-keys/sscc (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „Global Location Number (GLN)“, https://www.gs1.org/standards/id-keys/gln (abgerufen 16.10.2026)
- dasistweb: „B2B EDI Integration“, https://dasistweb.de/wissen/b2b-edi-integration (abgerufen 16.10.2026)