Diese Leistungsbeschreibung nennt, was die Software leistet, was der Anbieter im Festpreis erbringt und was der Kunde
mitbringt. Was hier nicht steht, ist nicht geschuldet (Lizenzvertrag § 10 Abs. 4).
1. Überblick
edi-service.eu ist eine EDI-Drehscheibe, die auf dem eigenen Debian-Server des Kunden läuft. Sie tauscht Bestellungen,
Lieferabrufe, Lieferavise, Rechnungen und weitere Geschäftsnachrichten zwischen dem ERP-System des Kunden und seinen
Handelspartnern aus, in beide Richtungen. Eine KI richtet die Plattform anhand der Unterlagen der Handelspartner ein,
erzeugt Mappings und ERP-Anbindung und testet alles im TEST-Betrieb, bevor der Kunde die Produktion freigibt. Den
laufenden Nachrichtenverkehr verarbeitet die Software regelbasiert, ohne KI.
| Format |
Umfang |
| UN/EDIFACT |
alle Nachrichtentypen und Subsets über Mappings (zum Beispiel ORDERS, ORDCHG, ORDRSP, DELFOR, DESADV, INVOIC, auch EANCOM); mit und ohne UNA, mehrere Austausche (UNB) und Nachrichten (UNH) je Datei; Prüfung der Hülle |
| VDA |
Festlängenformat mit 128 Zeichen je Satz, unter anderem VDA 4905, 4906 und 4913; auch in EBCDIC-Kodierung; Satzaufbau als Daten hinterlegt |
| CSV |
frei definierbarer Aufbau je Partner (Trennzeichen, Kopfzeile, Spalten) |
| JSON |
frei definierbarer Aufbau je Partner |
| XML |
frei definierbarer Aufbau je Partner, ohne DTD und externe Entitäten |
Alle Formate werden in ein einheitliches, versioniertes Normalformat übersetzt und aus ihm erzeugt. Weitere Formate
lassen sich als Daten ergänzen; sie werden mit der Leistungsbeschreibung einer späteren Fassung Vertragsbestandteil.
3. Nachrichtenarten und Richtungen
- Eingangsrichtung (Partner an ERP): Bestellung, Bestelländerung, Lieferabruf, Forecast, Kanban.
- Ausgangsrichtung (ERP an Partner): Auftragsbestätigung, Lieferavis, Rechnung und Bestellung an Lieferanten.
Die Software vergibt die nötigen Nummernkreise (zum Beispiel Austausch- und Nachrichtenreferenzen) und verarbeitet
die technischen Quittungen der Gegenseite.
- Je Handelspartner sind beliebig viele Nachrichtenarten in beiden Richtungen möglich.
4. Transportwege
| Weg |
Eingang |
Ausgang |
Hinweise |
| AS2 |
ja |
ja |
signiert und verschlüsselt nach Vereinbarung mit dem Partner, Empfangsquittung (MDN) |
| OFTP2 |
ja |
ja |
über TCP und TLS, Empfangsquittung (EERP); Kennungen nach Odette-ID |
| SFTP |
ja |
ja |
je Partner abgeschottet |
| HTTPS |
ja |
ja |
Eingang über einen eigenen, öffentlich nur für Lieferungen erreichbaren Endpunkt je Kanal mit Token je Kanal; Ausgang an die Adresse des Partners |
| E-Mail |
ja |
ja |
Abholung aus einem Postfach des Kunden, Versand über dessen Mailserver |
| Ordner |
ja |
ja |
Ablage auf dem Server, zum Beispiel für Partner- oder ERP-Systeme im eigenen Netz |
- Alle Wege laufen über denselben Verarbeitungsweg: Annahme, Ablage des Originals, Erkennung, Mapping, Übergabe.
- Die Transportkomponenten für AS2 und OFTP2 laufen in eigenen Containern auf dem Server des Kunden (Lizenzvertrag
§ 7). Die OFTP2-Komponente ist nicht von Odette getestet. Verlangt ein Handelspartner Odette-getestete Software,
weist der Anbieter vor Vertragsschluss darauf hin.
- Für den HTTPS-Eingang hinterlegt der Kunde ein eigenes TLS-Zertifikat. Ohne Zertifikat erzeugt die Software nur
im TEST-Betrieb ein selbst signiertes; in der Produktion bleibt der Eingang dann geschlossen.
- Die Firewall des Servers öffnet eingehende Ports nur für eingerichtete Eingangskanäle.
5. ERP-Anbindung
| Adapter |
Umfang |
| REST und Webhook |
Übergabe an und Abholung von einer HTTP-Schnittstelle des ERP, Authentisierung über Kopfzeile mit Schlüssel, Quittung durch das ERP |
| Schnittstellentabellen |
Übergabe über Tabellen in einer Datenbank des ERP (Staging) |
| Datei |
Übergabe von CSV-, XML- oder JSON-Dateien über Ordner, SFTP oder Windows-Freigabe (SMB), mit Quittung |
- Im Festpreis ist die Anbindung an ein ERP-System über einen dieser Standardadapter enthalten, jeweils mit TEST-Ziel
und PROD-Ziel.
- Die Übergabe läuft über eine Warteschlange mit Wiederholung bei Fehlern, Idempotenz und Duplikaterkennung. Eine
Nachricht wird dem ERP nicht doppelt übergeben.
- Anpassungen und Programmierung im ERP selbst gehören nicht dazu (Lizenzvertrag § 10 Abs. 4).
6. Einrichtung
- Onboarding: Der Kunde lädt die Unterlagen seiner Handelspartner hoch (EDI-Leitfaden, Anschreiben,
Beispieldateien). Die KI liest daraus Nachrichtenarten, Formate, Versionen, Transportweg, Kennungen und Testablauf
und zeigt das Ergebnis zur Bestätigung. Danach folgen wenige Fragen. Fachliche und technische Fragen können
verschiedene Personen über eigene Links beantworten. Ergebnis ist die Implementierungsspezifikation.
- Prüfskript und Installation: Ein Prüfskript zeigt vor der Installation, ob der Server die Anforderungen nach
Abschnitt 10 erfüllt. Der Kunde startet die Installation selbst mit einem einmal gültigen Befehl. Die Installation
ist versioniert und wiederholbar.
- Einrichtung durch die KI: Der Einrichtungs-Agent legt aus der Spezifikation Partner, Kanäle, Kennungen,
Mappings und ERP-Ziele an, prüft die Mappings gegen die Beispielnachrichten und meldet das Ergebnis. Fehlende
Angaben werden zu Rückfragen im Dashboard. Alles entsteht zuerst im TEST-Betrieb.
- Freigabe: Die Produktion schaltet ein Administrator des Kunden frei, zweistufig und protokolliert.
- Neue Partner, neue Nachrichtenarten und Mapping-Änderungen laufen auf demselben Weg, im Umfang von
Lizenzvertrag § 10.
7. Dashboard und Konfigurations-API
- Dashboard im Browser (Deutsch und Englisch) mit
- Übersicht über Nachrichten, Verarbeitungsstand und Meldungen mit der betroffenen Originalzeile,
- Partnern, Kanälen, Kennungen, Mappings mit Versionen und Testfällen, ERP-Zielen und Einstellungen,
- Rückfragen und Vorschlägen der KI mit Freigabe,
- Änderungsprotokoll mit Urheber, altem und neuem Wert,
- Lizenzstatus (Edition, Ablauf, Kulanz),
- Export der gesamten Konfiguration (Lizenzvertrag § 8 Abs. 4).
- Benutzer und Rollen: Anmeldung mit Rollen; kritische Aktionen (Produktivschaltung, Zertifikate, Zugangsdaten,
Löschen, Partner aktivieren) brauchen eine erneute Anmeldung.
- Zugangsdaten (Partner, ERP, KI-Schlüssel) werden verschlüsselt auf dem Server gespeichert. Sie lassen sich
setzen, ersetzen und testen, aber nicht im Klartext lesen.
- Konfigurations-API (versioniert, mit OpenAPI-Beschreibung): Dashboard, KI und eigene Werkzeuge des Kunden nutzen
dieselbe Schnittstelle. Die KI greift über einen MCP-Server mit eigenem Token und festgelegten Berechtigungen zu;
kritische Aktionen kann sie nur vorschlagen.
- Archiv: Jede eingehende und ausgehende Nachricht wird im Original aufbewahrt.
8. Überwachung und Meldungen
- Meldungen: Fehler in Annahme, Verarbeitung oder Übergabe erscheinen im Dashboard und gehen als Sammelmail an die
hinterlegten Empfänger.
- Zertifikatsüberwachung: Das Dashboard zeigt die Restlaufzeit aller Zertifikate (Partner, AS2, OFTP2,
HTTPS-Eingang). Die Instanz warnt 60, 30 und 7 Tage vor dem Ablauf.
- KI-Verbrauch: Das Dashboard zeigt den KI-Verbrauch (Token und Kosten nach Preisliste des KI-Anbieters) je
Einrichtung, je Partneranbindung und je Mapping-Änderung. Je Einrichtungsauftrag gilt ein Kostenbudget.
- Der Anbieter überwacht die Instanz nicht aktiv (SLA Abschnitt 7).
9. Updates und Support
- Updates der Software sind im Preis enthalten. Die Instanz holt sie selbst ab, prüft die Signatur und wendet sie
lokal an; der Kunde kann sie pausieren (SLA Abschnitt 5, Lizenzvertrag § 11).
- Support auf Deutsch und Englisch nach dem SLA.
- Kundenportal unter app.edi-service.eu: Lizenzstatus, Vertrag, Abrechnungsintervall, Ansprechpartner,
Onboarding-Links, Installations-Token und Kündigung.
10. Was der Kunde mitbringt
| Bereich |
Anforderung |
| Server |
eigener Server oder eigene virtuelle Maschine mit Debian 13 (amd64), nur für edi-service.eu genutzt; produktiv mindestens 8 GB Arbeitsspeicher, 2 Prozessorkerne (4 empfohlen) und 40 GB freier Speicher; Zeitsynchronisation und funktionierende Namensauflösung |
| Netz |
ausgehend: app.edi-service.eu, Paketquellen, Container-Registries, KI-Anbieter, Partnerverbindungen; eingehend nur für die genutzten Wege (zum Beispiel 443 für HTTPS und AS2, 6619 für OFTP2) mit öffentlichem Namen und Portweiterleitung |
| KI |
eigener Vertrag mit einem KI-Anbieter für ein Modell der aktuellen Mindestliste (Lizenzvertrag § 9) |
| ERP |
Schnittstelle nach Abschnitt 5 und eine Testumgebung oder ein Testmandant |
| Unterlagen |
EDI-Leitfäden, Beispieldateien und Kennungen der Handelspartner |
| Personen |
ein fachlicher und ein technischer Ansprechpartner für Fragen, Tests mit dem Partner und Freigabe |
| Sicherung |
regelmäßige Sicherung nach Abschnitt 11 |
11. Vorgabe für die Sicherung beim Kunden
| Pfad |
sichern? |
Hinweis |
/var/lib/edi-service/postgres, /var/lib/edi-service/data |
ja |
Konfiguration, Nachrichten, Archiv; die Datenbank konsistent sichern (Export oder gestoppter Dienst) |
/etc/edi-service |
ja, verschlüsselt und getrennt aufbewahren |
Schlüssel der Instanz und der Zugangsdaten |
/var/lib/edi-service/edge |
nein |
entsteht aus der Datenbank neu und enthält den privaten TLS-Schlüssel des HTTPS-Eingangs; mit CACHEDIR.TAG gekennzeichnet |
Der Kunde prüft die Rücksicherung nach der Einrichtung mindestens einmal.
12. Nicht enthalten
- X.400 und VAN-Postfächer,
- ein Web-EDI-Portal für Partner ohne EDI,
- ein Peppol-Zugang,
- Odette-getestete OFTP2-Software,
- Hochverfügbarkeit (Standby-Server) und Betreuung rund um die Uhr,
- Betrieb, Sicherung und Betriebssystem-Updates des Servers,
- Anpassungen im ERP-System selbst,
- Rechts- und Steuerberatung, zum Beispiel zur E-Rechnung.