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# Was steht im EDI-Leitfaden, und wie prüfen Sie ihn?

Ein EDI-Leitfaden beschreibt, welche Nachrichten Ihr Partner erwartet, in welchem Format, mit welchen Pflichtangaben und
über welchen Weg. Im Englischen heißt er Message Implementation Guide (MIG), im Deutschen auch Implementierungsleitfaden.
Wer ihn vor Projektbeginn sorgfältig liest, vermeidet die meisten Rückfragen und Testschleifen. Die Checkliste unten hilft
dabei, nichts zu übersehen.

## Was ein Implementierungsleitfaden ist

Normen wie EDIFACT sind sehr breit angelegt. Eine Bestellung (ORDERS) kennt Hunderte möglicher Angaben, die meisten braucht
kein einzelnes Unternehmen. Branchenverbände schränken die Norm deshalb in Subsets ein. EANCOM etwa ist das Subset von GS1 für
den Handel; GS1 beschreibt es als Teilmenge von UN/EDIFACT, die nur die nötigen Elemente enthält.

Der Leitfaden Ihres Partners geht noch einen Schritt weiter. Er legt fest, welche Segmente er in seinem Haus tatsächlich
liest, welche Codes er erwartet und wie er Fehler meldet. Zwei Händler, die beide EANCOM-Bestellungen schicken, können sich in
Details deutlich unterscheiden. Darum gilt immer der Leitfaden des Partners, nicht die allgemeine Norm. Mehr zur Norm selbst
steht unter [EDIFACT erklärt](https://edi-service.eu/wissen/edifact/).

Ein typischer Leitfaden enthält:

- eine Übersicht der Nachrichtenarten und des Ablaufs, oft als Grafik
- je Nachricht ein Segmentverzeichnis mit Status (Muss, Kann, Abhängig)
- je Segment die erlaubten Qualifier und Codes
- Beispielnachrichten
- Angaben zu Kennungen, Übertragungsweg, Test und Ansprechpartnern

## Checkliste mit 20 Punkten für Ihren EDI-Leitfaden

Gehen Sie den Leitfaden mit dieser Liste durch und notieren Sie zu jedem Punkt die Seite, auf der die Antwort steht. Was Sie
nicht finden, fragen Sie gesammelt beim Partner nach.

1. Nachrichtenarten: Welche Nachrichten gehen in welche Richtung? Zum Beispiel Bestellung (ORDERS) eingehend, Lieferavis
   (DESADV) und Rechnung (INVOIC) ausgehend. Eine Übersicht bietet die Seite
   [Nachrichtenarten](https://edi-service.eu/wissen/edi-nachrichtenarten/).
2. Standard und Version: EDIFACT, EANCOM, VDA, ein Global-Format nach VDA-Empfehlung oder ein eigenes XML? Bei EDIFACT
   auch das Verzeichnis, etwa D.96A oder D.01B.
3. Subset und Leitfadenversion: Welches Subset gilt, und welche Version des Leitfadens liegt Ihnen vor? Leitfäden werden
   überarbeitet; arbeiten Sie mit der aktuellen Fassung.
4. Syntax und Zeichensatz: Welche Syntaxkennung steht im Kopf (zum Beispiel UNOC), welche Trennzeichen, und ist ein
   UNA-Segment vorgesehen?
5. Pflichtsegmente: Markieren Sie alle Segmente und Datenelemente mit Status Muss. Fehlt eines davon, lehnt das System des
   Partners die Nachricht oft ab.
6. Abhängige Angaben: Manche Angaben sind nur unter Bedingungen Pflicht, etwa eine Chargennummer nur bei bestimmten
   Artikeln. Halten Sie die Bedingung fest.
7. Qualifier und Codelisten: Welche Codes erwartet der Partner, zum Beispiel für Datumsarten, Partnerrollen oder
   Mengeneinheiten? Nur die im Leitfaden genannten Werte verwenden.
8. Kennungen der Beteiligten: Sie und der Partner werden über Nummern identifiziert, häufig GLN, Odette-ID oder
   Lieferantennummer. Details unter [GLN und andere Kennungen](https://edi-service.eu/wissen/gln-kennungen/).
9. Artikelnummern: Arbeitet der Partner mit GTIN, mit seiner eigenen Materialnummer oder mit Ihrer Artikelnummer? Oft
   werden zwei davon gleichzeitig verlangt.
10. Übertragungsweg: AS2, OFTP2, SFTP oder ein Netzwerk? Siehe [Übertragungswege](https://edi-service.eu/wissen/edi-uebertragungswege/).
11. Verbindungsdaten und Zertifikate: AS2-ID, Odette-ID, Adressen, Ports, Verschlüsselung, Signatur, Austausch und
    Laufzeit der Zertifikate.
12. Empfangsbestätigungen: Werden technische Quittungen erwartet, etwa die MDN bei AS2 oder EERP bei OFTP2?
13. Syntaxprüfung (CONTRL): Verlangt der Partner eine CONTRL-Nachricht? Sie bestätigt oder verwirft eine Übertragung auf
    Syntaxebene. Angefordert wird sie über ein Feld im UNB-Kopf.
14. Fachliche Rückmeldung (APERAK): Schickt der Partner APERAK bei Fehlern in der Verarbeitung, und müssen Sie selbst
    welche senden? APERAK meldet Fehler aus der Anwendung, nicht aus der Übertragung.
15. Nummernkreise: Wie müssen Belegnummern, Referenzen und die Kontrollnummer im Nachrichtenkopf aufgebaut sein? Dürfen
    sie sich wiederholen?
16. Bezüge zwischen Nachrichten: Welche Referenz verbindet Lieferavis und Rechnung mit der Bestellung, etwa Bestellnummer
    und Positionsnummer?
17. Etiketten und SSCC: Muss jede Palette oder jedes Packstück eine SSCC tragen, und muss das Etikett zum Lieferavis
    passen? GS1 beschreibt die SSCC als weltweit eindeutige Nummer für logistische Einheiten.
18. Stammdaten: Vorab abzustimmen sind oft Lieferorte, Abladestellen, Artikelzuordnungen und Preise.
19. Testablauf und Fristen: Wie viele Testrunden, mit welchen Testdaten, über welche Testumgebung? Bis wann soll der
    Produktivbetrieb laufen?
20. Ansprechpartner und Störungen: Wer ist fachlich und technisch zuständig, und wie wird bei Ausfällen oder fehlerhaften
    Nachrichten verfahren?

## Ein kurzes Beispiel

So sieht der Anfang einer Bestellung im EANCOM-Format aus, die ein Händler an seinen Lieferanten schickt. Die GLN sind fiktive Beispielnummern:

```
UNB+UNOC:3+9520000000028:14+9520000000011:14+261016:0930+00042++++1'
UNH+1+ORDERS:D:96A:UN:EAN008'
NAD+BY+9520000000028::9'
NAD+SU+9520000000011::9'
```

Im UNB-Kopf stehen Absender, Empfänger, Datum, Uhrzeit und eine Kontrollnummer. Die `1` am Ende des UNB-Segments fordert
eine Empfangsbestätigung an. In den NAD-Segmenten ordnen die Qualifier `BY` (Käufer) und `SU` (Lieferant) die GLN einer
Rolle zu. Genau solche Einzelheiten regelt der Leitfaden.

## Typische Stolperfallen

- Veraltete Fassung. Der Partner hat den Leitfaden überarbeitet, Sie arbeiten mit einer älteren PDF-Datei.
- Beispiel statt Regel. Beispielnachrichten zeigen einen Fall, nicht alle. Was im Beispiel fehlt, kann trotzdem Pflicht
  sein.
- Gemischte Nummern. Die eigene Artikelnummer landet im Feld für die Nummer des Kunden oder umgekehrt.
- Mengeneinheiten. Ihr ERP rechnet in Karton, der Partner bestellt in Stück. Ohne Umrechnung stimmen Mengen und Preise
  nicht.
- Quittungen vergessen. Die Übertragung läuft, aber der Partner wartet auf eine CONTRL oder APERAK und wertet das Fehlen
  als Fehler.
- Etikett und Lieferavis passen nicht. Die SSCC auf der Palette stimmt nicht mit der im DESADV überein, der Wareneingang
  stockt.
- Testdaten aus der Produktion. Echte Bestellungen im Test lösen beim Partner womöglich echte Vorgänge aus. Klären Sie,
  welche Umgebung und welche Kennungen für den Test gelten.

## So hilft edi-service.eu beim Leitfaden

Im Onboarding von edi-service.eu laden Sie genau diesen Leitfaden hoch, dazu Anschreiben und Beispieldateien. Eine KI liest
daraus Nachrichtenarten, Standard und Version, Kennungen, Übertragungsweg und Testablauf und zeigt Ihnen das Ergebnis zur
Bestätigung an. Sie korrigieren nur, was nicht stimmt; offene Punkte werden als Rückfrage festgehalten statt geraten. Was
der Festpreis umfasst, erklärt die Seite [Häufige Fragen](https://edi-service.eu/faq/). Wenn Sie einen Leitfaden vorliegen haben und wissen wollen,
ob er zu uns passt, können Sie eine [Anfrage stellen](https://edi-service.eu/anfrage/).

## Häufige Fragen

### Was ist ein EDI-Leitfaden?
Ein EDI-Leitfaden ist die technische Vorgabe Ihres Partners für den elektronischen Datenaustausch. Er legt Nachrichtenarten,
Format, Pflichtangaben, Codes, Kennungen und Übertragungsweg fest. Andere Namen sind Implementierungsleitfaden, Message
Implementation Guide oder EDI-Spezifikation.

### Woher bekomme ich den EDI-Leitfaden meines Kunden?
Fragen Sie Ihren Einkaufs- oder EDI-Ansprechpartner beim Kunden danach. Große Unternehmen stellen ihn oft in einem
Lieferantenportal bereit oder schicken ihn mit der Aufforderung zur EDI-Anbindung. Bitten Sie auch um Beispieldateien und
die Testkennungen.

### Was ist der Unterschied zwischen CONTRL und APERAK?
CONTRL bestätigt oder verwirft eine empfangene Übertragung auf Ebene der Syntax. APERAK meldet, ob die Anwendung beim
Empfänger die Nachricht verarbeiten konnte, und nennt fachliche Fehler. Welche der beiden Ihr Partner nutzt, steht im
Leitfaden.

### Wie lange dauert es, einen Leitfaden umzusetzen?
Das hängt von Umfang, Format und Testablauf des Partners ab. Fachartikel nennen für eine Großkunden-Anbindung im klassischen
Projekt drei bis vier Monate. Den größten Teil der Zeit beansprucht oft der Testzyklus mit dem Partner. Mehr zu Aufwand und
Kosten steht unter [Was kostet EDI?](https://edi-service.eu/wissen/was-kostet-edi/).

## Quellen
- GS1: „GS1 EANCOM“, <https://www.gs1.org/standards/eancom> (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „EANCOM 2002 S4, CONTRL, Introduction“, <https://www.gs1.org/sites/default/files/docs/eancom/ean02s4/part2/contrl/intro.htm> (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „EANCOM 2002 S4, APERAK, Introduction“, <https://www.gs1.org/sites/default/files/docs/eancom/ean02s4/part2/aperak/intro.htm> (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „EANCOM 2002 S4, Part I, Abschnitt 4“, <https://www.gs1.org/sites/default/files/docs/eancom/ean02s4/part1/part1_04.htm> (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „Serial Shipping Container Code (SSCC)“, <https://www.gs1.org/standards/id-keys/sscc> (abgerufen 16.10.2026)
- GS1: „Global Location Number (GLN)“, <https://www.gs1.org/standards/id-keys/gln> (abgerufen 16.10.2026)
- dasistweb: „B2B EDI Integration“, <https://dasistweb.de/wissen/b2b-edi-integration> (abgerufen 16.10.2026)
